Eugen Felle – Postkartenpionier und Künstlerpersönlichkeit

von 11. September 2019Buchpräsentationen

Vielen die Augen geöffnet für die Schönheit ihrer Heimat

Buchvorstellung über „Eugen Felle – Postkartenpionier und Künstlerpersönlichkeit“

Von Walter Schmid

Isny. „Großartig, dass pünktlich zum 150. Geburtstag des Isnyer Postkartenmalers , gleichzeitig auch zur Finnisage der Ausstellung „Heimat-Panorama“ das wunderschöne Buch über Eugen Felle (1869–1934), die vielseitig begabte Isnyer Künstlerpersönlichkeit der Öffentlichkeit vorgestellt werden kann“, sagte Museumsleiterin Ute Seibold bei der Begrüßung der gut 80 Besucher im Refektorium des Schlosses. Darunter Nachkommen des Künstlers, Felle-Fans und Prominenz aus Stadt und Region.

Die Stadt könne als Herausgeber stolz sein auf die zurückliegende gelungene Zusammenarbeit mit der Journalistin und Autorin Tosca Maria Kühn – zugleich Urenkelin von Eugen Felle – mit dem Kunstverlag Josef Fink in Lindenberg, und Dr. Martin Simon, der das Buchprojekt durch seine inhaltlichen Beiträge maßgeblich mit unterstützt hat. Es gelte in diesem Zusammenhang aber auch, an die in den letzten Tagen verstorbenen Menschen zu denken: Des langjährigen Isnyer Museumsleiters Martin Kratzert und an die betagte Eugen Felle Enkelin Margit Grabherr. Froh zeigte sich Seibold auch, dass der erst 17 jährige, hochtalentierte Pianist Phong Nguyen zugesagt hatte den Festakt musikalisch mit Kompositionen von Frédéric Chopin zu bereichern.

Bürgermeister Rainer Magenreuter – gerade aus dem Urlaub zurück – durfte den Vielen danken, die zu diesem gelungenen Schlusspunkt am Ende der Ausstellung beigetragen haben. Und er zeigte sich stolz, dass die Stadt als Herausgeber, die Monografie über Eugen Felle präsentieren darf. Die Bedeutung der genialen Isnyer Künstlerpersönlichkeit unterstrich er unter anderem damit: „Das Bayrische Haus der Geschichte in Augsburg hat mit über 1000 Ansichtskarten und 250 Aquarellen mit Darstellungen bayrischer Städte und Gemeinden den aus unserer Stadt stammenden Künstler Eugen Felle eine landesgeschichtlich bedeutsame Quelle vorliegen.“

Dem Kemptener Heimatforscher Christian Ilg ist zu Felles Malerei im Postkartenformat wichtig zu betonen: „Ihm waren nicht nur die großen Sehenswürdigkeiten wichtig, sondern auch die kleinen Dinge am Wegesrand, etwas von Alltäglichen, von dem was Heimat ausmacht.“ Durch die Zusammenstellung des „Großen“ mit dem „Kleinen“ sei die Felle-Malerei der Fotografie weit überlegen. „Eugen Felles Postkarten schließen die Herzen auf.“

Ursula Winkler, die „Panorama-Partner“ Projektleiterin sagte in ihrem Grußwort: „Eine so offensichtlich geschichtsträchtige Stadt wie Isny mit Schwerpunkten in Sport, Medizin und Kultur, dazu mit starkem Tourismus, braucht ein starkes Museum.“ Man könne nur staunen, wie zum Beispiel die Erinnerungscafés von der Bevölkerung angenommen werden. Die Museumsleiterin schöpft daraus vor allem die jüngere und aktuelle Geschichte… und ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Zuarbeit von Archivarin Nicola Siegloch, die den Anfang gemacht hat, die Lebensgeschichte von Eugen Felle aufzuarbeiten und zu publizieren. Mit dem heutigen Tag müsse man sagen: „Wenn ein Türle zugeht, macht ein anderes auf. Die Ausstellung geht zu Ende, das Buch übernimmt die Fortsetzung.“

Buchautorin und Eugen Felles Urenkelin Tosca Maria Kühn hatte in ihrem Rückblick auf ihre fast dreijährige Arbeit am Buch vor allem ihrem Vater Dr. Manfred Felle – selbst anwesend mit Ehefrau, für seine lebenslange, akribische Postkarten-Sammel- und Forschungstätigkeit über seinen Großvater, zu danken. Im Refektorium erzählte sie Anekdoten aus den Tagebüchern ihres Urgroßvaters, aus den Jahren während seiner Bildhauerlehre und des Studiums an der Akademie der Bildenden Künste in München, von der Existenzgründung in Isny, von der Familiengründung und seiner damals ebenfalls weit bekannten Bernhardinerzucht. Ihr Bericht spannte sich von den Schicksalsschlägen der Eltern Eugen Felles, Wirtsleute im Gasthaus Taube, bis zu Urgroßvaters Tod. Am Grab sagte der Pfarrer in seiner Rede:„…die Stadt hat einen Mitbürger verloren, belesen und bewandert in der Geschichte unserer alten Reichsstadt, mit feiner Hand so manch schönes Bild gemalt… und so Vielen die Augen geöffnet für die Schönheit ihrer Heimat. Durch ungemein fleißige und pünktliche Arbeit schuf er ein Bild nach dem anderen, bis in die letzten Wochen seines Lebens hinein.“

Josef Fink, Verleger des Buches würdigte Eugen Felle als einen der bekanntesten Postkartenmaler den es je gab. Mit der Darstellung Eugen Felles Zeitgeschichte um die vorletzte Jahrhundertwende, seines Lebens und der Gliederung seines Schaffens, sei eine rundum gelungene Künstlermonographie entstanden. Schlussendlich dürfe er sagen, dass ihm in seiner fast fünfzigjährigen Arbeit im Verlagswesen mit rund 3000 Büchern und Kunstführern, noch nie ein derartig schön gestaltetes Buch begegnet sei wie dieser Band – und er lobte in diesem Zusammenhang die vorzügliche gestalterische Mitarbeit der wunderbaren Designerinnen Nicole Reiter, Birgit Auchter und Heike Appelt.

Ute Seibold schloss die Versammlung mit den Worten: „Schreiben Sie bitte wieder Postkarten, damit uns dieses von Herz zu Herz gehende Kommunikationsmittel nicht vollends verloren geht.“

Das Buch ist ab sofort im Buchhandel, im Rathaus und im Empfang der städtischen Galerie im Schloss zu erwerben.

Foto: Präsentation „Eugen Felle – Postkartenpionier & Künstlerpersönlichkeit“. Vorne die Autorin Tosca Maria Kühn beim Signieren ihres Buches. Hinten Verleger Josef Fink und die Buchgestalterinnen Nicola Reiter, Birgit Auchter und Heike Appelt (Foto Walter Schmid).

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